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Kampf, Konkurrenz, Kollaps

Manager am Ende ihrer Kräfte

Von Heike M. Cobaugh

Schon vor mehr als 50 Jahren, am 12. September 1954, widmete die Tageszeitung „Die Presse" unter dem Titel „Die Manager-Krankheit greift um sich" eine ganze Seite alarmierenden Krankheitsbildern bei Managern, bezogen auf Herz, Gehirn und Magen. Da war die Rede von Managern, die nach mehr als 16 Stunden täglicher Arbeitszeit plötzlich tot zusammenbrechen. Damals war schon klar, dass nicht nur so bekannte Schädigungen wie Nikotin,  Alkohol und zu schwere und reichliche Kost dabei eine Rolle spielen, sondern insbesondere der seelische Zustand eines Managers.

 

Und wie steht es heute um die Gesundheit und das Arbeitspensum unserer Manager, speziell den Männlichen? Laut einer aktuellen Kienbaum-Studie, die in Kooperation mit dem Harvard-Businessmanager durchgeführt wurde,und bei der 142 deutsche Führungskräfte befragt wurden, arbeiten vier Fünftel mehr als 50 Stunden pro Woche. Die Hälfte der Manager mit einem Jahresgehalt von mehr als 200.000 Euro sogar 60-80 Stunden. 96% der Befragten arbeiten auch am Wochenende, oftmals zwischen 10 und 20 Stunden.

 

Generell spricht man hier schon von Extremjobbern. Ein Extremjobber hat eine Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden pro Woche, einen guten Verdienst, ein hohes Maß an Verantwortung (Mitarbeiter und Budget), steht unter einem großen Konkurrenzdruck und verbringt einen großen Teil seiner Arbeitszeit allein auf Reisen. Dabei bleiben Beziehungen und Gesundheit oftmals auf der Strecke. Nur 25% der Befragten unterziehen sich jährlich einem Check-up. Neben Sport und Hobbies, werden auch Arztbesuche vom Terminplan gestrichen.

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Dazu kommen generelle schlechte Enährungsgewohnheiten und zunehmender Stress und psychischer Druck am Arbeitsplatz, wie z. B. überzogene Leistungsziele, steigende Haftungsrisiken und Kündigungswellen.  Trotz „Wirtschaftsaufschwung" sorgt sich jeder vierte Manager um seinen Job, laut einer Umfrage, die der Deutsche Führungskräfteverband (ULA) durchgeführt hat.

 

Dies führt dazu, dass erste Anzeichen von Burn-Out-Symptomen schlichtweg ignoriert werden. Ein Grund dafür ist oftmals auch, dass der Job schon zur Droge geworden ist oder Manager glauben, wenn ihnen der Job „noch so viel Spaß macht", kann es ja nicht schädlich sein. Dazu kommt das auch heute immer noch gängige Rollenbild des Mannes: Aktiv, nimmermüde, stark und unbesiegbar.

Krankheiten oder Erschöpfungszustände sind in diesem Rollenbild nicht vorgesehen und für viele Männer ein Zeichen von Schwäche, sowie ein starker Dämpfer für das Selbstwertgefühl. Somit wird oftmals der Weg für irreparable Schäden der Gesundheit und Psyche geebnet.

 

Doch woran erkennt man Burn-Out denn überhaupt?

Wie bei vielen langwierigen Leidenszuständen gibt es, laut Dr. med. G. Possnigg, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, verschiedene Ausprägungen des Burn-Out . Da wären Vorstufen, Warnsignale, Früh-Stadium, fortgeschrittenes Stadium und vollausgeprägtes Burn-out.

 

In der Vorstufe ist ein extremes berufliches Engagement zu verzeichnen, auch in die Freizeit hineingehend. Man will beruflich perfekt sein und beruflicher Erfolg wird als Belohnung gesehen, für die auch private Interessen und Beziehungen hinten an gestellt werden.

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Angst, Langeweile und eine zynische Grundhaltung können als Warnsignale gewertet werden. In Ruhezeiten überfällt einen ein Gefühl der Leere und Unausgeglichenheit, und der Erholungswert der Ruhezeiten sinkt immer mehr. Körperliche Symptome treten auf, wie z. B. häufige Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel sowie Blutdruckinstabilität. Auch Magengeschwüre und Herzinfarkte können Zeichen eines Burn-Out sein.

 

Im Früh-Stadium sind zunächst leichtere und dann häufiger auch schwere Infekte zu verzeichnen. Diese können zu längeren Krankenständen führen, da sie meistens am Anfang übergangen werden. Auch bei Routine-Tätigkeiten kann jetzt ein Gefühl der Leere auftreten. Ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Resignation tritt ein und löst oft eine Flucht in äußere Aktivitäten, oberflächliche Vergnügungen und Alkohol, oder andere Rauschmittel aus.

 

Im fortgeschrittenen Stadium wird die Erledigung der Arbeit immer schwerer, man macht mehr Fehler. Generell verliert man die Lust und das Interesse an Arbeit und eine generelle negative Einstellung tritt ein, gegenüber der Arbeit und dem Leben als solches. Der Urlaub bringt, wenn überhaupt, nur noch eine kurzzeitige Erholung.

 

Im vollausgeprägten Burn-Out haben Sinnlosigkeitsgefühle und Resignation überhand genommen. Man fühlt sich kaum noch stark oder in Kontrolle seiner Arbeit und seines Lebens. Die eigene Gefühlswelt stumpft komplett ab. Depression und schwere Erkrankungen können sich jetzt manifestieren und die berufliche Leistungsfähigkeit steuert gegen null. Es kommt oftmals zum beruflichen Ausschluss, z. B. Arbeitslosigkeit oder Frühpension und durch den Verlust der „Leistungsgeprägten Identität" , kann es auch zu einem frühen Tod führen.

 

Neben den oben genannten Symptomen und Ausprägungen geht ein Burn-Out häufig auch mit Verlust sozialer Kontakte und Beziehungen, wie z. B. Lebenspartner einher, wodurch noch eine zusätzliche Isolation entsteht. Alles in allem ein sehr düsteres Bild, mit dem Manager, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, sich sicherlich nicht  auseinandersetzen wollen.

 

Doch je früher der Fokus auf mögliche Gefahrenquellen gelenkt wird, desto größer ist die Chance, den Burn-Out-Prozess zu unterbrechen. Je weiter er fortgeschritten ist, desto mehr Aufwand bedeutet es, ihn wieder unzukehren. Was kann Manager also tun?

 

Am Anfang steht eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Ansprüchen an sich selbst und Ihrer Leistungsfähigkeit. Sind diese realistisch oder eine nimmerendende Spirale? Was treibt Sie zu solchen Höchstleistungen und was versuchen Sie dadurch zu kompensieren?

 

Schauen Sie sich dann Ihr Arbeitspensum genau an und optimieren Sie ihren Arbeitsablauf. Nicht um noch mehr zu leisten oder noch mehr Zeit herauszuschlagen, sondern um Kurzpausen einzubauen. Gehen Sie immer überlegt und ökonomisch mit Ihren Kräften um. Lernen Sie auch einmal Nein zu sagen oder Aufgaben zu delegieren, auch wenn sie nicht immer zu Ihrer vollen Zufriedenheit erledigt werden.

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Nehmen Sie nach anstrengenden Ereignissen einen Tag frei, um zu regenerieren und sorgen Sie für einen ausreichenden Schlaf, anstatt stolz darauf zu sein, dass Sie noch weniger Schlaf  benötigen.

 

Stehen Sie zu Ihrem Privatleben und halten Sie private Termine genauso verbindlich ein, wie berufliche.

 

Weihen Sie Ihren Lebenspartner, falls vorhanden, mit ein und teilen Sie Ihre Gedanken und eventuelle Ängste mit ihr/ihm.

 

Machen Sie auch in Ihrer Freizeit etwas, was Ihnen wirklich Spaß macht und achten Sie darauf, dass Sie nicht auch hier wieder versuchen, extreme Leistung zu erzeugen, wie z. B. Extremsport etc. Ihr Körper und Geist brauchen Ruhephasen und nicht Freizeitstress.

 

Sprechen Sie über Ihre Probleme und Ängste mit einer Person Ihres Vertrauen oder suchen Sie sich professionelle Unterstützung, z. B. durch einen Coach.

 

Sollten Sie sich schon in einem fortgeschrittenen Stadium des Burn-Out befinden, schämen Sie sich nicht, zum Betriebsarzt zu gehen oder andere mögliche Hilfsangebote, z. B. Supervision, Ihres Unternehmens in Anspruch zu nehmen. Wollen Sie auf gar keinen Fall über Ihren Arbeitgeber gehen, so wenden Sie sich an entsprechende Selbsthilfegruppen in Ihrem Umfeld. Hier finden Sie oftmals unterschiedliche Angebote zur Auswahl.

 

Und denken Sie daran, ein guter Manager trägt Verantwortung, auch für seine eigene Gesundheit!

 

Heike M. Cobaugh ist Management-Trainerin und Buchautorin.

www.cobaugh.de

 



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