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Wo männliche Führungskräfte an Selbstüberschätzung leiden

verfasst am: 02.05.2017

Wenn es um die Selbstüberschätzung männlicher Führungskräfte geht, ist die Grenze zum Größenwahn oft fließend.

Wer kennt nicht die zahlreichen Beispiele „größenwahnsinniger“ Manager, die sich selbst bei drohender Insolvenz noch Boni auszahlen, Fusionen eingehen ohne Aussicht auf Erfolg, teure Urlaube und Escortservices auf die Spesenrechnung setzen, Fehler und Missstände verschweigen, Tausende von Mitarbeitern entlassen und gleichzeitig sich selbst noch teure Immobilien zulegen und weiterhin das Geld Ihrer Aktionäre „fehlinvestieren“, um ihre größenwahnsinnigen Ideen zu finanzieren.

Was sind das für Männer und was treibt sie in diese Formen von Selbstüberschätzung? Macht ihr Beruf sie „größenwahnsinnig“ oder braucht man diese Persönlichkeitseigenschaft, um so weit zu kommen.  Vielleicht ein wenig von beidem. Was sind denn das eigentlich für Persönlichkeitsmerkmale, die dazu führen können, dass eine Führungskraft größenwahnsinnig wird? Hier sechs Kerneigenschaften:

Machthunger

„Gib einem Menschen Macht, und du erkennst seinen wahren Charakter“, wusste schon der amerikanische Präsident Abraham Lincoln im 19. Jahrhundert.

Männer, die in gehobene Führungspositionen streben sind meistens Alphatiere mit einem gehörigen Machthunger. Das kann gefährlich werden, behauptet der Psychologe Michael Schmitz, denn Leitmotive wie Macht und Reichtum können süchtig machen.  Und Süchtige machen bekanntlicherweise alles, um ihre Sucht zu befriedigen.

Narzissmus

Das Ego solcher Manager ist oftmals groß und viele sind auch Narzissten. Narzissten leiden unter krankhaftem Sendungsbewusstsein und sind davon überzeugt, dass sie selbst,  ihre Ideen und Visionen genial sind. Für sie gilt immer nur: mehr, mehr, mehr. Vielen fehlt auch eine Empathiefähigkeit. Und das wiederrum erleichtert es Ihnen Entscheidungen auf Kosten ihrer Mitarbeiter und auch auf Kosten des Unternehmens zu treffen. Denn letztendlich zählt nur ihr persönliches Weiterkommen. Und spannenderweise kommen sie auch oft weiter, selbst wenn ihr Unternehmen pleitegeht. Ein halbes Jahr später findet man sie häufig in einer anderen Vorstandsetage wieder …

Charisma

Gerade narzisstische Führungskräfte werden gleichzeitig oft auch als charismatisch erlebt. Sie können Menschen mitreißen, überzeugen, besitzen Ideen und Visionen und ihr Auftreten ist selbstsicher und optimistisch. Narzissmus und Charisma können nah beieinander liegen und der größenwahnsinnige Narzissmus wird somit erst zu spät erkannt. Dann, wenn der narzisstische Manager sich schon über alle möglichen Grenzen hinweggesetzt hat.

Grenzüberschreitungen

Männer in gehobenen Machtpositionen kommen irgendwann an einen Punkt, wo es anscheinend keine Grenzen und Kontrollinstanzen mehr zu geben scheint. Dann fallen alle Hemmungen. Der deutsche Immobilienunternehmer Utz Jürgen Schneider, der nach einer aufsehenerregenden Milliardenpleite (1994), wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung inhaftiert wurde, wurde einmal befragt, warum er so weit gegangen war. Seine Antwort: „Weil es ging und niemand mich aufhielt“.

Mangelnde Selbstkritik und Kritikfähigkeit

Wenn es gut läuft, dann liegt es an dem größenwahnsinnigen Manager. Wenn es schlecht läuft, sind immer die anderen oder die Umstände schuld. Diesen Führungskräften fehlt eine gesunde (Selbst-) Reflektionsfähigkeit und daraus resultierende mögliche Verhaltensänderungen. Wer sich selbst nicht in Frage stellt, muss auch nichts dazu lernen.

Fehlende Lernbereitschaft

Wer alles richtig macht, braucht auch nicht dazu zu lernen. Diese fehlende Einsichtsfähigkeit resultiert dann häufig in der Verstärkung von falschen Vorgehensweisen. Immer mehr und risikoreichere sowie skrupellosere Mittel werden eingesetzt, um den als richtig geglaubten Weg weiterzugehen. Auch wenn die Firma dabei untergeht. Dann waren ja, wie schon erwähnt, andere schuld…

Doch nicht nur diese Persönlichkeitseigenschaften können zu Größenwahn führen, auch das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle. Gerade die Isolation in Chefetagen bildet einen guten Nährboden für Selbstüberschätzung. Ab einer gewissen Hierarchiestufe bekommen Führungskräfte oft kein Feedback mehr. Nicht zu ihrer Person, noch zu ihrer Vorgehensweise. Besonders Mitarbeiter haben gelernt, dass Kritik am Chef der Karriere schaden kann und der Vorgesetzte des Chefs ist oft mit anderen Themen beschäftigt.

Auch die globale wirtschaftliche Entwicklung im Allgemeinen trägt ihren Teil dazu bei, dass auch „nicht-narzisstische“ Führungskräfte sich selbst überschätzen können. Globale, sich dauernd ändernde Märkte, ständige technische Innovationen, hohe Erwartungen von Eigentümern bei börsennotierten Unternehmen. Wer nicht liefert ist raus!

Wer einen größenwahnsinnigen Chef hat und nicht über die Macht verfügt diesem Grenzen zu setzen, sollte ihm soweit wie möglich aus dem Weg gehen und sich mittelfristig einen anderen Vorgesetzten suchen.

 

 

 

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