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Perfektionismus: Oft ein weibliches Problem…

verfasst am: 17.10.2017

Die meiste Ratgeberliteratur wird für Frauen geschrieben. Der Prozentsatz der Frauen ist in Weiterbildungsveranstaltungen fast immer höher als der der Männer. Außer es sind spezielle Männerthemen, wie zum Beispiel Obimarkt-Seminare für den Heimwerker etc.. Diätliteratur zielt fast ausschließlich auf Frauen ab. Schauen Sie sich mal die Werbung dafür an. Kosmetik wird primär für Frauen entwickelt. Frauen sind Selbstoptimierungs-Spezialistinnen und leider glauben sie oft auch, dass an ihnen auf jeden Fall etwas Optimierungsbedürftig ist, egal ob psychisch oder physisch. Denn Frauen sind oft auch große Zweifler. Sie zweifeln an Ihren Kompetenzen, beruflich wie privat. Sie zweifeln an ihrem Aussehen und vielem mehr. Oder wie Julia Onken in ihrem Buch “ Herrin im eigenen Haus“ schreibt: „Frauen pendeln zwischen Größenphantasien, alles schaffen zu müssen, alles im Griff zu haben, und andererseits einem abgrundtiefen „Unwertleben“, zu nichts zu taugen“.

Perfektion ist meiner Meinung nach auch eine Selbstschutzmaßnahme, die viele Frauen benötigen, da ihr Selbstbewusstsein leider oft nicht so ausgeprägt oder stabil ist, wie sie es gerne hätten oder vorgeben. Sie sind voller Selbstkritik und ihr innerer Kritiker sagt permanent:“ Sei perfekt“. Gut ist eben nicht gut genug! Aber für diejenigen, die auf ihn hören, gibt es viele negative Nebenwirkungen.

Perfektionismus ist eine große Bürde, denn er kann auf Dauer zu ernsthaften psychischen und körperlichen Störungen führen. Zum Beispiel chronische Selbstzweifel, Depressionen, Suchtverhalten, Schlaflosigkeit, Übergewicht etc. Auch Beziehungen (beruflich und privat) können daran scheitern, wenn Frauen ihren Grad an Perfektionismus allen anderen aufzwingen.

Ich weiß wovon ich rede, denn diese Frauen sitzen oft in meinen Seminaren, Mediationen oder Coachingsitzungen. Ich bin immer wieder erstaunt und manchmal auch entsetzt, wie stark der Drang nach Perfektionismus und wie fragil das Selbstbewusstsein dieser Frauen oft ist. Sie sind von der Reaktion anderer abhängig, so dass sie ein Gefühl für den eigenen inneren Kompass verloren haben.

Sicherlich liegt das auch daran, dass Frauen früh lernen für andere da zu sein und immer zu funktionieren. “ Immer verfügbar“ wird quasi zum Lebensmotto und führt dazu, dass die eigene Wichtigkeit über den Grad ihrer Einsatzbereitschaft für andere definiert wird. Der klassische Weg zu einem ausgeprägten Helfersyndrom. Dieses zwanghafte Helfen wollen, dient in den meisten Fällen nur dazu, dem eigenen Gefühl der Wertlosigkeit zu entfliehen. Und wenn die, denen geholfen wurde, nicht genügend Dankbarkeit zeigen, führt das sehr schnell zu einer passiven Aggressivität. Diese äußert sich darin, dass Frau nur noch an anderen herummäkelt und andere versucht zu erziehen.

Ich erlebe das seit vielen Jahren in meiner Beratungs- und Mediationstätigkeit im Gesundheitswesen. Ich habe nirgendwo anders so viel passive und offene Aggression erlebt, wie im Pflegebereich. Gegenüber Kollegen, Patienten und Angehörigen. Ich sage es nicht gerne, aber viele Pflegekräfte sind nicht die armen Opfer, wie sie die Medien gerne darstellen. Gerade in Pflegeteams ist ein hohes Maß an Mobbing- Energie vorhanden. Und oft wird sie auch ausgelebt. Nicht immer führt die zunehmende Arbeitsverdichtung und Personalknappheit zu hohen Krankenständen. Oft sind es unhaltbare Zustände zwischen den (meistens) Mitarbeiterinnen in Pflegeteams. Gepaart mit einer ausgeprägten Konfliktscheue führt das zu einer brodelnden Gerüchteküche, Hinterzimmerstratgien und Teamspaltungen, die den alltäglichen Arbeitsalltag für manche Pflegekräfte zu einem Albtraum werden lassen Dieser Albtraum führt dann  langfristig in die Krankheit und somit wieder zu mehr Personalknappheit. Denn oftmals sind gar nicht zu wenig Köpfe auf einer Krankenstation tätig. Viele sind einfach nicht anwesend!

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