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Größenwahn im Management: Wo weibliche Führungskräfte an Selbstüberschätzung leiden

verfasst am: 21.09.2017

 

Generell herrscht ja die Meinung vor, dass weibliche Führungskräfte, bzw. berufstätige Frauen,  eher an einer Selbstunterschätzung, als an einer Selbstüberschätzung leiden. Das sehe ich anders. Nach über 25-jähriger Tätigkeit als Trainerin, Führungscoach  und Mediatorin, sowie vorheriger Tätigkeit im Management, gehe ich sogar soweit zu behaupten, dass die Selbstüberschätzung weiblicher Führungskräfte gesundheitsschädigend und Karriereschädigend sein kann.

Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, besteht die Selbstüberschätzung weiblicher Führungskräfte weniger bezogen auf  ihre fachlichen Kompetenzen oder beruflichen Status,  sondern bezogen auf  ihre sozialen und psychischen Kompetenzen. Das schmerzt manche Frauen, da gerade der erste Aspekt ja ganz besonders weiblichen Führungskräften zugeordnet wird.

Hier einige Beispiele von weiblicher (Selbst-) Überschätzung:

„Leistung gleich Karriere“ – Viele Frauen sind der Meinung, dass wenn sie viel leisten, dies auch bemerkt und belohnt wird. Sie überschätzen Ihre eigenen körperlichen Ressourcen und überschreiten dabei oft ihre physischen und psychischen Grenzen. Dafür ernten sie  meistens kein Lob. Nicht von ihren Vorgesetzten und auch nicht von ihren Mitarbeitern. Viel wichtiger als permanente hohe Leistungsbereitschaft ist das Netzwerken und die Eigen-PR. Tue Gutes und rede darüber!

 „Ich kann gut kommunizieren“ – Frauen haben öfter mal die Tendenz „zu viel“ zu kommunizieren, kommen nicht immer auf den Punkt und wirken dabei, gerade bei ihren männlichen Vorgesetzten, als unsicher und nicht Entscheidungsfreudig. Außerdem besteht so auch die Gefahr, mehr über sich selbst preis zu geben als es eventuell für eine Führungskraft gut ist… Wichtig ist es, gerade in der beruflichen Kommunikation, sich im Vorfeld darüber klar zu sein, „Wohin die Reise gehen soll“, bzw. welches Ziel soll mit welcher Kommunikation erreicht werden. Nicht einfach drauflosreden und nicht vergessen: „Masse ist nicht gleich Klasse!“

„Meine Tür steht immer offen“ – Frauen überschätzen mitunter ihre Empathiefähigkeit und unterschätzen, wie sehr ihre Mitarbeiter und besonders auch Mitarbeiterinnen das ausnutzen können und auch tun. Dies führt schnell zu einer psychischen Überlastung und dem Image „Die Mutter der Nation“ zu sein. Besser sind feste Regeln, wann eine Führungskraft ansprechbar ist und wann nicht. Wichtig ist dabei auch das setzen von Grenzen. Nur weil eine Führungskraft eine Frau ist, heißt nicht, dass alle persönlichen Probleme dort abgeladen werden können.

„Der Frauenbonus“ – Frauen glauben meistens, dass allein der Umstand, dass sie eine Frau sind, ihnen schon die Loyalität ihrer Mitarbeiterinnen sichert, und diese sich über ihre weibliche Führungskraft freuen. Das ist oft  ein Irrtum. Generell überschätzen Sie ihren Wert als Führungskraft speziell für Frauen. Immer wieder ist von weiblichen Mitarbeitern zu hören, dass sie lieber mit oder für männliche Führungskräfte arbeiten. Generell gilt auch für weibliche Führungskräfte, nicht automatisch davon auszugehen, dass alle „Mitarbeiterinnen“ ihr wohlgesonnen sind. Vertrauen braucht Zeit und gemeinsame Erfahrungswerte. An der einen oder anderen Stelle brauchen weibliche Führungskräfte auch ein „dickes Fell“, da viele persönliche Eigenarten, wie z.B. Kurzangebundenheit, eher Männern verziehen werden als Frauen.

„Ich kann mit Kritik umgehen“ – Frauen überschätzen oft ihre persönliche Kritikfähigkeit. Im Geben sowie im Nehmen von Kritik. Die nach außen sichtbare Selbstsicherheit überdeckt oft eine tiefe Verletzbarkeit und die Unfähigkeit, bei Kritik, eine professionelle Distanz einzunehmen. Konflikte und Kritiksituationen gehören zum Führungsalltag und weibliche Führungskräfte tun gut daran, sich entsprechende Kompetenzen anzueignen.

„Ich bin eine Karrierefrau“ – Frauen überschätzen nicht selten ihren eigenen Wunsch Karriere zu machen und ihre Bereitschaft, dafür auch Opfer zu bringen. Im Gegensatz zu vielen Männern, hat ihr Privatleben meistens eine höhere Priorität und sie kommen somit schneller in einen starken inneren Interessenskonflikt. Besonders, wenn sie unter der Doppelbelastung Familie/Beruf leiden. Hier gilt es, die eigene Befindlichkeit im Auge zu behalten und immer wieder für einen zufriedenstellenden Ausgleich zu sorgen. „Work-Life-Balance“ ist gerade für Frauen ein wichtiges Thema und sollte aktiv angegangen werden. Und es gilt auch genau zu überdenken, wie viel eine Karriere „wert“ ist. Gerade Frauen leiden oft im Alter an nicht erfüllten Lebensentwürfen.

Diese Liste ließe sich noch um einiges erweitern, würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Was kann Frau tun, um möglicher Selbstüberschätzung entgegen zu wirken? Das erste ist, nach weiblichen Vorbildern (Führungskräften) Ausschau zu halten, von denen Frau lernen kann. Das zweite ist, sich Hilfe außerhalb der eigenen Abteilung zu suchen, z.B. einen internen Mentor/Mentorin oder einen externen Coach.

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